Rehabilitation

Mehr erfahren
RHEO-KNEE-3Nach der Amputation – zurück ins Leben (PDF-Download)

Wie wichtig ist die Rehabilitation?

Die Akutversorgung mittels Amputation, die Wahl der richtigen Prothese und schließlich die Rehabilitation müssen als eine Einheit gesehen werden. Nur wenn alle Komponenten perfekt auf einander abgestimmt sind, kann das beste Ergebnis für den einzelnen erzielt werden.

Rehabilitation – die Phase nach der Amputation

Die Rehabilitation bildet daher einen wichtigen Baustein auf Ihrem Weg zurück in den Alltag und schließt sich idealerweise direkt an den Aufenthalt im Akutkrankenhaus an. Sie sollte stationär stattfinden, um den bestmöglichen Therapieerfolg zu gewährleisten, denn die körperlichen und psychischen Herausforderungen nach einer Amputation sind groß. Umso wichtiger ist es, dass Sie im Krankenhaus und später in ausgewiesenen Rehabilitationszentren durch ein multi-professionelles Team bestmöglich betreut werden.

Hier finden Sie Spezialisten in Ihrer Nähe. REHAZENTREN FINDEN !

Grundsätzlich entscheidet zwar der Kostenträger (Krankenversicherung, Rentenversicherung oder Unfallversicherung) über den Ort der Rehamaßnahme, als Patient können Sie aber durch Eigeninitiative -meist positiven- Einfluss auf ihre Wunschklinik nehmen.
Die Dauer einer Rehamaßnahme liegt bei zunächst 3 Wochen (ist der Kostenträger die Berufsgenossenschaft, bei 5 bis 7 Wochen). Eine Verlängerung liegt im Ermessen des behandelnden Arztes und wird im Team mit dem Patienten in der Regel frühzeitig besprochen. Im Laufe des Heilungs- und Anpassungsprozesses werden meistens mehrere Rehaaufenthalte nötig sein, jedoch mit verschieden großen Zeitabständen dazwischen. Das liegt an den teils erheblichen Volumenschwankungen des Stumpfes. Häufig sind in den ersten 6 bis 9 Monaten mehrere Schaftversorgungen nötig, um die Mobilität zu erhalten und zu verbessern.

Für eine erfolgreiche Rehabilitation wird bereits im Akutkrankenhaus der Grundstein gelegt. Der Fokus liegt dort zunächst darauf, den Wundheilungsprozess zu verbessern, Schmerzen zu verringern und mit der Mobilisierung zu beginnen.

Rehabilitationsziel

Das große Ziel aller Rehabilitationsmaßnahmen ist es, Ihnen den Weg zurück in den Alltag, also Ihre soziale und berufliche Wiedereingliederung zu ermöglichen. Das Rehabilitationspotenzial jedes Einzelnen ist individuell abhängig von verschiedenen Faktoren:

• Amputationshöhe (generell gilt: je kürzer ein Stumpf, desto schwieriger die Mobilisierung)
• Stumpfqualität (wichtig: frühzeitig mit der Stumpfpflege beginnen)
• Amputationsursache (z.B. Diabetes, Unfall etc.)
• physische Verfassung (z.B. Alter, Sportler/Nichtsportler, Raucher/Nichtraucher etc.)
• Begleiterkrankungen (z.B. Herzerkrankungen, Gefäßerkrankungen)
• psychische Verfassung (z.B. Ängste, Depressionen)
• Umfeld (z.B. familiäres Umfeld, Wohnumfeld)
• Mobilitätsgrad. Dieser wird mit einem standardisierten Profilerhebungsbogen (ausgearbeitet von den Spitzenverbänden der Krankenkassen) ermittelt.

In Absprache mit Ihnen und unter Berücksichtigung dieser Faktoren werden individualisierte Rehabilitationsziele festgelegt und ein Rehabilitationsplan aufgestellt.

Die 3 Phasen der Rehabilitation

Phase 1

• Physiotherapeutische Behandlung: Körperschulung, Muskelaufbau, Bewegungstherapie
• Stumpfbehandlung: Stumpfpflege und Stumpfformung, Belastungssimulationen (Abhärtung)
• prothetische Früh- oder Interimsversorgung

Phase 2

• Optimierung der prothetischen Versorgung
• intensive Gang- und Trägerschulung mit Prothese
• stetige Verlängerung der eigenständigen Gehstrecke und der Tragedauer der Prothese
• Austausch: Gruppen-und Einzelgespräche

Phase 3

• Ganganalyse
• Simulation und Training von Alltagsbewegungen (An- und Ausziehübungen, Gehen auf Ebenen, Treppen, Steigungen und Abhängen, Hindernisbewältigung)
• Beginn der Anpassung des Wohn-und Arbeitsumfeldes an die neue Lebenssituation

Allgemein:

• Konservative Schmerztherapie zusätzlich zu der medikamentösen Therapie, zum Beispiel in Form der Spiegeltherapie, die seit Jahren erfolgreich zur Therapie von Phantomschmerzen angewendet wird, vor denen sich viele fürchten, die jedoch nicht bei jedem Amputierten zwangsläufig auftreten müssen.
• Auch Atemübungen und Meditation sind geeignete aktive Maßnahmen, um Schmerzen zu reduzieren und den Schmerzmittelbedarf zu senken. Hier sind eine offene Herangehensweise und aktive Mitarbeit des Patienten wichtig.

Wundheilung

Da alle weiterführenden Versorgungen erst erfolgen können, wenn die Wunde nach dem Eingriff abgeheilt ist, hat dieser Schritt erste Priorität. Im Anschluss an die Operation wird Ihr Stumpf mit einem Verband oder mit einem Gips versorgt. Eine Drainage sorgt dafür, dass Wundflüssigkeit und Blut entweichen können. Sie wird jedoch noch während des Abheilungsprozesses wieder entfernt. In der Regel hat sich die Amputationswunde nach den ersten vier Wochen verschlossen und eine saubere Narbe gebildet. Bis die Verheilung komplett abgeschlossen ist, vergeht allerdings häufig mehr als ein Jahr.
In dieser Zeit muss der Stumpf intensiv gepflegt werden. Cremen und eine sorgfältige Kompressionstherapie fördern eine erfolgreiche Genesung des Gewebes und ermöglichen letztlich das Tragen einer Prothese – und somit die Möglichkeit wieder mobil zu sein.

Warum ist die Stumpfpflege so wichtig?

Unmittelbar nach der Operation ist der Stumpf großflächig angeschwollen. Das ist eine normale Reaktion auf den schweren operativen Eingriff. Binnen einer Woche sollte die Schwellung dann deutlich zurückgegangen sein. Zeitnah nach der Amputation kann und sollte mit der Stumpfkompression begonnen werden. Durch elastische Binden, Kompressionsstrümpfe, Silikonliner oder andere Hilfsmittel wird großflächig Druck auf den Stumpf ausgeübt, um die Schwellung zu reduzieren und die Stumpfform auf das Tragen einer Prothese vorzubereiten.
Ihr multiprofessionelles Behandlungsteam wird in enger Zusammenarbeit einen individuellen Behandlungsplan für Sie aufstellen. Die Auswahl der Kompressionshilfsmittel hängt stark vom Zustand der Wunde, der Amputationshöhe und auch von den individuellen Erfahrungswerten der behandelnden Personen ab.Insgesamt können Volumenschwankungen über Monate auftreten und beeinflussen daher den Rehabilitationsverlauf, da die Prothesenanpassung von der Stumpfheilung abhängt (zunächst erhält man daher eine sogenannte Interimsprothese und erst nach vollständiger Abheilung dann seine vorerst endgültige Prothese).

Mobilität ist Lebensqualität

Warum ist eine schnelle Mobilisierung essentiell für den Erfolg der Rehabliation? Nach der Amputation eines Teils des Beines muss das Gehen und selbst das Stehen neu gelernt werden. Die Stärkung der Rumpf-, Bein- und Armmuskulatur ist der erste Schritt zurück zu einer neuen Mobilität. Auch empfehlenswert ist die Stärkung der Gelenke in unmittelbarer Nähe zur Amputationsstelle. Ihre Physiotherapeuten werden Ihnen geeignete Übungen zeigen. Bei geplanten Amputationen sollte bereits vor dem Eingriff Physiotherapie erfolgen, um zum Beispiel die Stützkraft der Arme zu trainieren oder auch bereits eingetretene Verkürzungen der Muskulatur an der betroffenen Extremität zu behandeln. Wichtig ist die richtige Ausführung unter Anleitung. Scheuen Sie sich nicht nach Unterstützung zu fragen. Die Übungen können sitzend, stehend und auch liegend durchgeführt werden. Sie verhindern das Steifwerden der Gelenke und die Verkürzung der Muskulatur. Parallel können Sie die Ausführung von Bewegungen trainieren, die durch die Amputation zunächst ungewohnt sein werden.

Es wird Ihnen zunächst schwer fallen, sich komplett selbstständig aufzurichten und in den Rollstuhl oder gar in den Stand zu kommen. Unter Anleitung Ihres Physiotherapeuten und mit ein wenig Übung werden Sie allerdings schnell Fortschritte verzeichnen können. Im Stand werden Sie zunächst mit Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen haben, die sich aber ebenfalls durch entsprechendes Training schnell bewältigen lassen. Weitere Unterstützung bieten Hilfsmittel wie Geh-und Aufziehhilfen.

Welche Prothese passt zu mir?

Der Orthopädietechniker spielt eine entscheidende Rolle innerhalb Ihres multiprofessionellen Behandlungsteams. In Abstimmung mit den behandelnden Ärzten, Physiotherapeuten und dem gesamten Behandlungsteam werden die Behandlungsprozesse auf eine prothetische Frühversorgung ausgerichtet. Insofern die Wundheilung, die Amputationshöhe und die allgemeine Verfassung des Patienten es zulassen, kann dies bereits zehn Tage nach der Operation erfolgen. Eine erste Belastung durch Gehübungen ist möglich. Wann Sie für eine solche Versorgung bereit sind, entscheidet das Behandlungsteam. War die prothetische Frühversorgung erfolgreich, steht nach einigen Wochen eine Versorgung mit einer individualisierten Interimsprothese an. Eine Interimsprothese ist eine Prothese für den Übergang aus der Rehabilitation bis zur endgültigen Prothesenversorgung (Definitivversorgung). In der Regel dauert eine Interimsversorgung 6 Monate.

Zum Abschluss der Interimsphase wird der Orthopädietechniker gemeinsam mit Ihnen die auf Ihre Bedürfnisse angepasste Prothese herstelle. Bei prothetischen Versorgungen wird grundsätzlich unterschieden in:RHEO-KNEE-3Rheo Knee 3 – Produkt Informationen

  • mechanische Gelenke – Knie und Fuß
  • bionische Gelenke – Knie und Fuß mit künstlicher Intelligenz
  • Sportversorgungen

Bei der Auswahl der richtigen Prothese spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Dabei hilft entscheidend der ermittelte Mobilitätsgrad (siehe eigenen Punkt Mobilitätsgrad), bei dem bereits die eigene Lebens- und ggf. Begleiterkrankungssituation berücksichtigt wird.

Menschen mit Prothese teilen Ihre Erfahrungen. Erfahren Sie mehr unter Menschen mit Prothese!

Rehabilitation in Fachzentren

Der Aufenthalt in spezialisierten Kliniken dauert in der Regel drei Wochen und wird von den Krankenkassen übernommen. In der stationären Rehabilitation lernt der Amputierte den Umgang mit der Prothese. Intensive Gehübungen und nachgespielte Alltagssituationen bilden einen Bestandteil, die Pflege des Stumpfes den Anderen.

Hier finden Sie Spezialisten in Ihrer Nähe. REHAZENTREN FINDEN !